Kalligrafie

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Aus dem Altgriechischen von kalligraphìa = Schönschreiben, schönes Schreiben (altgriechisch kalos = Schönheit, graphìa = Schreiben, Darstellen, Beschreiben).

Die Kalligrafie bezeichnet die Kunst des Schönschreibens mit verschiedenen Schreibwerkzeugen (wie etwa Bambusfedern, Federkiel, Pinsel, Stahlfedern) und beschreibt die Gestaltung und Ausführung handgeschriebener Schrift mit einem hohen Anspruch an die Ästhetik.

Im paläografischen Kontext bezeichnet der Begriff alle kanonisch normierten (gebauten) Buch- und Urkundenschriften bis zur Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg und die Ablösung durch typografische Schriften, deren Gestaltung sich zunächst wiederum an kalligrafischen Formen, wie beispielsweise der gotischen Textura, orientierte.

Explikation

Kalligrafie umfasst im Wesentlichen alle Formen professionellen Schreibens durch ausgebildete Schreiber (copisti) sowie bis heute alle Schriftausführungen, deren Buchstaben- und Zeichenarchitektur maßgeblich durch die jeweilige Schreibtechnik, die Schreibwerkzeuge, Tinten und Beschreibstoffe bestimmt werden.

Unsere gesamte Schriftgeschichte wurde durch die Handschriftlichkeit geprägt, bis zur Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern (Typografie) von Johannes Gutenberg (um 1400-1468) wurden Bücher ausschließlich per Hand geschrieben. Die dafür verwendeten (Buch-)Schriftarten zeichneten sich durch ihre normierten Lettern- und Zeichenarchitektur aus. Ihren Höhepunkt in paläografischer Hinsicht erreichte die kalligrafische Formgebung in Europa im Hochmittelalter, als durch das Entstehen klösterlicher Bildungszentren und der ersten Universitäten ein hoher Bedarf an Abschriften religiöser und wissenschaftlicher Werke bestand.

Heutzutage existiert Kalligrafie nicht mehr zum Erstellen von Gebrauchstexten, sondern lediglich als Form der Bildenden Künste. In diesem Zusammenhang taucht seit einigen Jahren zudem der englischsprachige Begriff „lettering“ auf. Kalligrafie ist heute als Kunst des schönen Schreibens hingegen nicht der Zweckmäßigkeit als lesbare Buchschrift und optimaler Ausnutzung des verfügbaren Schreibraumes, sondern allein ästhetischen Aspekten verpflichtet.

Siehe auch

Literatur

  • Bischoff, Bernhard, Paläographie des römischen Altertums und des lateinischen Mittelalters, Erich Schmidt Verlag, 2., überarbeitete Aufl. 1986.
  • „Kalligrafie“, in: Wolfgang Beinert, Typolexikon.de, Lexikon der europäischen Typografie. Verfügbar unter http://www.typolexikon.de/kalligraphie/ (letzter Zugriff 15.11.2017).
  • Kapr, Albert, Schriftkunst, Geschichte, Anatomie und Schönheit der lateinischen Buchstaben, Dresden: Verlag der Kunst 1996.

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